Was passiert bei einer Panikattacke im Körper?
Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Enge in der Brust oder Kribbelgefühle: Eine Panikattacke kann sich extrem bedrohlich anfühlen. Doch was passiert dabei eigentlich im Körper?
Die kurze Antwort: Das Nervensystem schlägt angesichts einer Bedrohung Alarm. Gleichzeitig aktiviert es den ganzen Körper durch Hormonausschüttung innerhalb kürzester Zeit so, dass er
in der Lage ist, sich durch Kampf oder Flucht in Sicherheit zu bringen.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.
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Gefahr!?!
Warum wird Alarm ausgelöst, wenn doch gar nichts los ist?
Unser Gehirn registriert fortlaufend, was gerade so um uns herum geschieht. Dabei versucht es auch ständig dessen Gefahrenpotenzial einzuschätzen. Diese Prozesse müssen nicht unbedingt bewusst erfolgen.
Wenn dabei etwas (z.B. ein bestimmter Gedanke, eine Situation, eine Erinnerung oder auch eine zunächst unscheinbare Körperempfindung) als Gefahr bewertet wird, wird das körpereigene Alarmsystem aktiviert.
Bei einer Panikattacke kann diese Reaktion sehr plötzlich und intensiv einsetzen – oft vermeintlich ohne klaren Auslöser.
Hormonausschüttung
Welche Rolle spielt das Adrenalin bei einer Panikattacke?
Ein wichtiger Teil der körperlichen Alarmreaktion besteht in der Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Dabei setzen die Nebennieren unter anderem die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin frei.
Der Körper wird dadurch innerhalb kurzer Zeit auf Handlungsbereitschaft (Kampf oder Flucht) eingestellt. Dafür verändern sich Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Aufmerksamkeit und weitere
Körperfunktionen:
Warum schlägt das Herz bei Panik so viel schneller?
Muskeln benötigen bei körperlicher Aktivität (Kampf oder Flucht!) deutlich mehr Sauerstoff und Energie. Sauerstoff und Nährstoffe werden über das Blut zu den Muskeln transportiert.
Um den Transport zu beschleunigen – also damit das Blut schneller dort ankommt, wo seine Fracht gebraucht wird -, schlägt das Herz schneller und kräftiger. Das ist für eine tatsächliche Flucht- oder Kampfreaktion extrem sinnvoll.
Bei einer Panikattacke findet diese körperliche Vorbereitung jedoch statt, ohne dass Betroffene dann wirklich weglaufen oder kämpfen. Das Ergebnis kann
sich als unangenehmes Herzrasen, starkes Herzklopfen oder Pochen im Brustkorb bemerkbar machen.
Warum hyperventiliert man bei Angst – und Panikattacken?
Wenn die Muskulatur auf körperliche Aktivität vorbereitet wird, steigt der Bedarf an Sauerstoff. Gleichzeitig entsteht bei der Energiegewinnung mehr Kohlendioxid, das über die Lunge abgegeben werden muss.
Deshalb kann der Körper die Atmung deutlich beschleunigen oder vertiefen (Hyperventilation).
Während einer Panikattacke bewegen sich Betroffene allerdings häufig gar nicht. Wenn trotzdem deutlich mehr Luft geatmet wird, als der Stoffwechsel eigentlich gerade benötigt, wird mehr Kohlendioxid abgeatmet als normalerweise.
Der Kohlendioxidgehalt im Blut sinkt. Das kann unter anderem Schwindel, Benommenheit, Kribbeln, Sehstörungen oder ein Gefühl von Atemnot hervorrufen.
So paradox es klingt: Man atmet mehr und hat trotzdem das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.
Tipp:
Ruhig atmen und langsam atmen. Länger aus als ein.
Warum zittert man bei Angst- und Panikattacken?
Die Muskulatur wird durch die Alarmreaktion auf schnelle Bewegung vorbereitet. Muskeln werden stärker aktiviert und die Muskelspannung steigt. Das ist sinnvoll, wenn der Körper kurz davor steht zu flüchten oder zu kämpfen.
Wenn die Bewegung jedoch ausbleibt, kann diese erhöhte Aktivierung der Muskulatur als innere Unruhe, Anspannung oder Zittern wahrgenommen werden. Auch die veränderte Atmung kann Muskelkribbeln oder Muskelbeschwerden begünstigen.
Warum schwitzt man bei Angst- und Panikattacken?
Schwitzen ist ebenfalls Teil der körperlichen Alarmreaktion.
Wenn der Körper körperliche Leistung vorbereitet, entsteht Wärme. Schweiß hilft dabei, diese Wärme über die Haut abzugeben und den Körper zu kühlen.
Bei einer Panikattacke kann deshalb plötzliches Schwitzen oder ein Gefühl von Hitze auftreten – auch wenn Sie sich körperlich überhaupt nicht angestrengt haben.
Warum werden Hände und Füße kalt bei Angst- und Panikattacken?
Während einer Alarmreaktion verändert sich sinnvollerweise die Verteilung des Blutes im Körper:
Dabei werden Körperbereiche, die für eine schnelle körperliche Reaktion (Kampf oder Flucht) besonders relevant sind, stärker durchblutet. Gleichzeitig verengen sich die Blutgefäße in der Haut und an den Extremitäten.
Deshalb können Hände und Füße kalt werden, blass wirken oder sich pelzig, taub oder kribbelig anfühlen.
Warum ist einem übel bei Panikattacken?
Auch die Verdauung wird während einer akuten Alarmreaktion herunterreguliert.
Das hat einen einfachen biologischen Grund: Verdauen ist in einem Gefahrenmoment nicht besonders wichtig. Entsprechend wird die Verdauung runterreguliert.
Diese Veränderung der Magen-Darm-Aktivität kann sich als Übelkeit, flaues Gefühl im Bauch oder andere Magen-Darm-Beschwerden bemerkbar machen.
Warum bekommt man bei Panikattacken einen Tunnelblick?
Eine Alarmreaktion betrifft nicht nur den Körper. Auch die Wahrnehmung verändert sich massiv:
Die Aufmerksamkeit wird stärker auf mögliche Gefahren ausgerichtet. Dadurch können Sie beispielsweise Ihren Herzschlag, Ihre Atmung oder ein leichtes Kribbeln plötzlich sehr viel deutlicher wahrnehmen.
Und genau hier kann sich die Panik weiter verstärken:
Körperempfindung → Wahrnehmung → Bewertung („Das ist gefährlich!“) → noch mehr Alarm → stärkere Körperempfindung
Die körperliche Reaktion und die Bewertung dessen, was gerade passiert, können sich dadurch gegenseitig hochschaukeln.
Warum fühlen sich Panikattacken so gefährlich an?
All diese Veränderungen haben einen sinnvollen Zweck. Und zwar den, dass der Körper bereitet sich darauf vor schnell zu handeln:
- das Herz pumpt stärker
- die Atmung beschleunigt sich
- die Muskulatur wird aktiviert
- die Verdauung tritt zurück und
- die Aufmerksamkeit richtet sich geschärft auf mögliche Gefahren.
Bei einer Panikattacke läuft dieses Programm jedoch ab, obwohl keine entsprechende äußere Gefahr vorhanden sein muss.
Trotzdem tut der Körper genau das, wofür sein Alarmsystem vorgesehen ist – nur ist die Alarmreaktion in diesem Moment nicht an eine tatsächliche körperliche Bedrohung gekoppelt.
Das erklärt auch, warum eine Panikattacke so überwältigend sein kann:
Auch wenn im Außen gerade nichts los ist, erleben Sie doch eine echte körperliche Alarmreaktion. Gerade so, als wäre der sprichwörtliche Säbelzahntiger hinter Ihnen her.
Wann hört die Panikattacke wieder auf?
Adrenalin und die übrigen Stresshormone, die an der Reaktion beteiligt sind, bleiben nicht dauerhaft in hoher Konzentration im Körper. Sie werden auch rasch wieder abgebaut und wenn die Bedrohung nachlässt, regelt sich das sympathischen Nervensystem automatisch wieder runter.
Meist ist das nach 10-30 Minuten der Fall.
Dann normalisieren sich Herzschlag und Atmung allmählich, die Muskelspannung lässt nach und auch die Aufmerksamkeit kann sich wieder weiten.
Nach einer intensiven Alarmreaktion kann sich der Körper allerdings noch eine Weile erschöpft, zittrig oder ausgelaugt anfühlen. Und das ist ganz logisch,
denn eine solch intensive Reaktion ist für den Körper extrem anstrengend.
Tipp:
Gönnen Sie sich Ruhe!
Therapeutische Hilfe
Hilfe bei Panikattacken
Als systemische Therapeutin biete ich psychotherapeutische Hilfe bei Ängsten und Panik – in meiner Praxis in Flensburg oder online.
In der systemischen Therapie schauen wir uns gemeinsam an, was Ihre Panikattacken auslöst. Außerdem betrachten und was Ihnen hilft, sich wieder sicherer zu fühlen. Dabei geht es nicht nur darum, die Panikattacken besser zu verstehen,
sondern auch darum, aus der ständigen Anspannung und der Angst vor der nächsten Attacke herauszufinden.
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So arbeite ich: Der systemische Ansatz in der Psychotherapie
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