Ängste verstehen und systemisch behandeln

Viele Menschen erleben im Verlauf ihres Lebens Phasen von Ängsten, innerer Unruhe oder Anspannung. Manchmal sind diese Gefühle klar an bestimmte Situationen gebunden – manchmal wirken sie diffus, überwältigend und scheinen nicht erklärbar.

Dabei werden Begriffe wie ‚Angststörung‘ verwendet, um besonders belastende Formen von Angsterleben zu beschreiben. Unabhängig von Begrifflichkeiten steht dabei für die meisten Betroffenen im Vordergrund, dass sich ihr Erleben einschränkend, überwältigend oder schwer steuerbar anfühlt.

Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick darüber,

  • wie Ängste sich symptomatisch zeigen können
  • welche unterschiedlichen Formen von Angststörungen medizinisch bzw. psychiatrisch unterschieden werden
  • wann es sinnvoll ist sich Hilfe zu suchen
  • warum Vermeidung problematisch werden kann
  • wie man sich im Akutfall bei Angst und Panik sofort selbst helfen kann
  • wie ich als Systemische Therapeutin bei Ängsten helfe


Angst hat viele Gesichter

Wie Ängste sich zeigen können

Ängste zeigt sich nicht immer als starke, klar erkennbare Furcht oder gar durch scheinbar unkontrollierbare Panikattacken. Viele meiner Klientinnen und Klienten beschreiben eher:

  • eine ständige innere Anspannung oder Nervosität
  • ein Gefühl von Getriebensein oder Rastlosigkeit
  • Grübeln und Sorgen, die sich kaum stoppen lassen
  • das Gefühl, immer „funktionieren“ zu müssen
  • Unsicherheit in Entscheidungen oder im Kontakt mit anderen


Angst ist nicht gleich Angst – unterschiedliche Formen

Ängste können sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich zeigen und erlebt werden. Medizinisch bzw. psychiatrisch werden folgende Hauptformen von Angststörungen unterschieden (vgl. Diagnosen nach ICD 10 ( F40–F41.)):

  • Generalisierte Angststörung
    Anhaltende und schwer kontrollierbare Sorgen und Befürchtungen, die sich auf verschiedene Lebensbereiche beziehen.
  • Panikstörung 
    Wiederkehrende, unerwartete Panikattacken, häufig verbunden mit der Angst vor weiteren Attacken oder ihren möglichen Folgen.
  • Agoraphobie
    Ausgeprägte Angst vor Situationen, in denen eine Flucht schwierig erscheinen oder im Notfall Hilfe schwer erreichbar sein könnte.
  • Soziale Phobie
    Starke Angst vor sozialen Situationen, in denen man sich beobachtet, bewertet, abgelehnt oder beschämt fühlen könnte.
  • Spezifische Phobien 
    Intensive Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, etwa Spinnen, Spritzen, Fliegen oder engen Räumen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie dazu vertiefende Informationen:

👉 Was ist eine Angststörung?
Liefert einen Überblick über die typischen Merkmale, die aus medizinischer/psychiatrischer Sicht eine „Störung“ kennzeichnen sowie eine Abgrenzung zu „normaler Angst“.

👉  Panikattacken verstehen
Erklärt wie plötzliche, intensive Angstanfälle entstehen.

👉 Was passiert bei Panik im Körper?
Erklärt was bei Panikattacken im Körper passiert und warum es paradoxerweise biologisch sinnvoll ist.


Die Informationen auf diesen Seiten können Ihnen helfen, Ihr eigenes Erleben besser einzuordnen.


Die Vermeidungsfalle

Warum Ängste oft sehr hartnäckig sind

Neben all der oben beschriebenen Unterschiedlichkeiten im Erleben und in der Ausprägung von Ängsten, gibt es aber auch Gemeinsamkeiten:

Wenn Menschen mit Angsterleben konfrontiert sind, besteht meist die erste Reaktion darin, die angstauslösenden Situationen zu vermeiden. Dieses Verhalten ist sehr nachvollziehbar. Es führt kurzfristig auch zu Entlastung – langfristig jedoch, können sich Ängste genau dadurch verstärken.

👉 Wie dieser Kreislauf entsteht und warum Vermeidung die Angst oft aufrechterhält, erfahren Sie hier:
Wie Vermeidung Ängste verstärkt



Rechtzeitig handeln

Wann psychotherapeutische Unterstützung bei Ängsten sinnvoll sein kann

Viele Menschen zögern lange, bevor sie sich Unterstützung holen.

👉 Warum das bei insbesondere Ängsten zum Problem werden kann, erfahren Sie hier:
Wie Vermeidung Ängste verstärkt


Typische Fragen, die Menschen zögerlich sein lassen, wenn es um therapeutische Hilfe bei Ängsten geht sind:

  • „Ist mein Problem überhaupt groß genug?“
  • „Müsste ich das nicht allein schaffen?“
  • „Bin ich schwach, wenn ich mir Hilfe suche?

„Ist es nicht peinlich sich wegen Ängsten therapeutische Hilfe zu suchen?“

Nein, es ist nicht peinlich, sondern sehr klug. Aber Ängste sind eben oft auch ein sehr schambesetztes Thema. Insbesondere dann, wenn die Reaktionen des eigenen Nervensystems

  • nicht verstanden werden
  • mit dem Selbstbild kollidieren und
  • als „peinlicher Kontrollverlust“ erlebt werden.

Wann ist professionelle Unterstützung bei Ängsten nun zu empfehlen?

Als Therapeutin mit langjähriger Erfahrung in der Therapie von Ängsten rate ich zu psychotherapeutische Begleitung, wenn:

  • Ängste den Alltag zunehmend einschränken,
  • sozialer Rückzug oder Vermeidungsverhalten immer weiter zunehmen oder 
  • oder das Gefühl entsteht, im eigenen Denken und Handeln regelrecht festzustecken.

Ganz grundsätzlich ist es bei Ängsten meist sinnvoll, möglichst frühzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Da aus fachlicher Sicht die Gefahr besteht, dass sich Ängste – insbesondere durch Vermeidungsverhalten – verfestigen oder verstärken. Frühzeitige Hilfe kann dazu beitragen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

👉 Mehr dazu, wann es sinnvoll sein kann, sich Unterstützung zu holen, lesen Sie hier: 
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist



Lösungsorientierte Hilfe

Systemische Therapie bei Ängsten

„Eigentlich ist doch alles gut. Warum reagiert mein Körper so?“ So oder so ähnlich beschreiben meine Klientinnen und Klienten oft ihr Erleben, wenn sie zu mir kommen. 

Um diese Frage zu beantworten und nachhaltig hilfreiche Strategien entwickeln zu können, betrachtet man in der systemischen Arbeit kein Symptom als rein innerpersonelles Thema. Dabei bringt der Satz „Niemand ist eine Insel!“ das Grundprinzip des systemischen Ansatzes – das Denken in Wechselwirkungsprozessen – gut auf den Punkt: 

Unsere wichtigen Beziehungen, soziale Rollen, Bedürfnisse, Erfahrungen und inneren Muster beeinflussen sich ständig gegenseitig. Entsprechend müssen alle Symptome, also auch alle Ängste, immer eingebettet in den gesamtem Lebenskontext eines Menschen verstanden werden. 

Darüber hinaus werden Ängste aus systemischer Sicht als ein wertvoller Hinweis des Organismus auf offene Bedürfnisse nach Schutz und Sicherheit betrachtet.

Aus diesen zwei Aspekten ergibt sich für die systemisch-lösungsorientierte Arbeit bei Ängsten ein ganz bestimmter Fokus. 

Die systemische Therapie fokussiert bei der Bearbeitung von Ängsten auf folgende Punkte:

  • belastende Beziehungsmuster sichtbar machen
  • innere Konflikte und offene Bedürfnisse herausarbeiten
  • Angsterleben befeuernde Denk- und Verhaltensweisen offen legen und zieldienlich verändern
  • vorhandene Ressourcen aufspüren und konkret nutzbar machen
  • Handlungsspielräume der Betroffenen erweitern

Im Vordergrund steht dabei immer das von dem Klienten oder der Klientin angestrebte Ziel („So soll es sein!“ „So wäre ich zufrieden!“). Mit diesem Ziel fest im Blick, wird nach konkret  hilfreichen Verhaltensweisen im Umgang mit inneren und äußeren Belastungen gesucht: Für mehr Wahlfreiheit im Umgang mit Bedrängendem. 

👉 Eine ausführliche Beschreibung meiner Arbeitsweise als Systemische Therapeutin bei Ängsten finden Sie hier: 
Hilfe bei Ängsten und Panikattacken

👉 Mehr über das systemische Verständnis von Ängsten lesen Sie hier:
Ängste
systemisch verstehen



Soforthilfe

So helfen Sie sich sofort bei Angst und Panik

Die folgenden Übungen können im Akutfall helfen Angst und Panik zu reduzieren. 

Ausatmen und Tempo reduzieren (4 zu 6 Atmung)

Übung:
Atmen Sie
ruhig – länger aus als ein. Sie müssen garn nicht besonders tief atmen. Entscheidend ist, das Tempo zu verlangsamen.

  • Zählen Sie bis 4 und atmen Sie dabei ein.
  • Zählen Sie bis 6 und atmen Sie dabei aus.
  • Zählen Sie bis 2 und machen Sie dabei eine kurze Atempause.
  • Dann Zyklus von vorn.

Erklärung:
Ein ruhiger Atem ist für den Körper ein sehr starkes Signal für Sicherheit („Gefahr vorbei!“). 


5-4-3-2-1 Sinnesübung (Grounding-Übung)

Übung:
Benennen Sie nacheinander:

  • 5 Dinge, die Sie jetzt sehen
  • 4 Dinge, die Sie jetzt fühlen oder berühren
  • 3 Dinge, die Sie jetzt hören
  • 2 Dinge, die Sie jetzt riechen
  • 1 Sache, die Sie jetzt schmecken

Erklärung:
In dem Sie sich bewusst auf Ihre direkte räumliche Umgebung fokussieren, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit weg von der inneren Alarmwahrnehmung – und hin zu einem sicheren Hier und Jetzt.


Füße auf den Boden – sich erden

Übung:

  • Stellen Sie beide Füße bewusst auf den Boden.
  • Spüren Sie den sicheren Kontakt.
  • Drücken Sie die Füße für ein paar Sekunden sanft nach unten.
  • Lassen Sie wieder locker und spüren Sie nach.

Versuchen Sie dabei nicht die Angst wegzumachen. Fokussieren Sie um und nehmen Sie wahr: „Ich bin hier. Der Boden trägt mich. Ich bin jetzt in Sicherheit.“

Erklärung:
Wenn Angst oder Panik aufkommt, versuchen wir verständlicherweise meist sofort diese Gefühle wegzubekommen. Der daraus entstehende innere Kampf kann aber den inneren Alarm noch verstärken. Stattdessen könnten Sie zu sich selbst sagen:

„Da ist gerade Angst. Ok. Ich muss nichts dagegen tun. Ich darf warten, bis die Welle wieder abklingt.“

Lassen Sie Ihren Körper dabei so sein, wie er gerade ist. Herzklopfen, Zittern oder ein flaues Gefühl müssen nicht sofort verschwinden.

👉 Mehr Übungen zur Soforthilfe und Informationen darüber, was bei Angst und Panik helfen kann, finden Sie hier: 
Soforthilfe bei Ängsten und Panik


Überblick

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